100 Prozent NRV klingt zunächst wie eine vollständige Versorgung. Auf einem Nahrungsergänzungsmittel bedeutet diese Angabe jedoch etwas Bestimmtes: Die ausgewiesene Nährstoffmenge entspricht einem festgelegten Referenzwert für die Kennzeichnung. Ob du persönlich ausreichend versorgt bist oder ein Präparat benötigst, lässt sich daraus allein nicht ablesen.
Wenn du NRV-Werte zusammen mit der Portionsgröße und der Menge in Milligramm oder Mikrogramm liest, kannst du Etiketten deutlich leichter vergleichen. Die folgenden Beispiele helfen dir dabei.
Was bedeutet NRV bei Vitaminen und Mineralstoffen?
Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung enthält in Anhang XIII festgelegte Nährstoffbezugswerte für Erwachsene. Diese Werte schaffen eine gemeinsame Grundlage für die Kennzeichnung von Vitaminen und Mineralstoffen. Ein Etikett kann daher neben der absoluten Menge auch zeigen, welchem Anteil am Referenzwert diese Menge entspricht. [1]
Du liest beispielsweise „Vitamin C: 80 mg, 100 % NRV“. Die 80 mg sind die angegebene Menge; die 100 Prozent ordnen diese Menge ein. Es handelt sich um zwei Darstellungen derselben Information, nicht um zwei zusätzliche Inhaltsstoffe.
So berechnest du den NRV-Prozentwert
Die Rechnung ist einfach: Nährstoffmenge ÷ zugehöriger NRV × 100. Beide Mengen müssen dabei dieselbe Einheit haben. Milligramm und Mikrogramm darfst du nicht ohne Umrechnung miteinander vergleichen: 1 mg entspricht 1.000 µg.
| Nährstoff | EU-NRV für Erwachsene | Beispielmenge | Rechnung und Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Vitamin C | 80 mg | 40 mg | 40 ÷ 80 × 100 = 50 % |
| Magnesium | 375 mg | 150 mg | 150 ÷ 375 × 100 = 40 % |
| Zink | 10 mg | 5 mg | 5 ÷ 10 × 100 = 50 % |
Die Referenzwerte stammen aus Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011. Die Beispielmengen sind für diesen Beitrag gewählt und beschreiben nicht die Zusammensetzung des abgebildeten Multivitaminprodukts. [1]
Die Formel lässt sich auch rückwärts verwenden: 50 Prozent des Vitamin-C-NRV entsprechen 0,5 × 80 mg, also 40 mg. Kleine Abweichungen bei Prozentangaben können durch Rundungen entstehen. Vergleiche deshalb möglichst auch die ausgeschriebene Mengenangabe.
Bezieht sich die Angabe auf eine Kapsel oder mehrere?
Bei Nahrungsergänzungsmitteln werden die Nährstoffmengen bezogen auf die vom Hersteller empfohlene Tagesportion angegeben. Diese Portion kann aus mehreren Kapseln, Tabletten oder Gummies bestehen. Lies die Spaltenüberschrift und die Verzehrhinweise gemeinsam. [2]
Rechenbeispiel: Stehen 80 mg Vitamin C bei einer Portion aus zwei Kapseln, ergeben sich bei gleichmäßiger Zusammensetzung rechnerisch 40 mg je Kapsel. Die Prozentwerte wären entsprechend 100 Prozent für zwei Kapseln und 50 Prozent für eine. Das Beispiel erklärt die Tabelle und legt keine für dich passende Portion fest.
Wenn ein Präparat ein anderes Verzehrintervall nennt, darfst du dieses nicht stillschweigend in eine tägliche Anwendung umwandeln. Übernimm die Bezugsgröße genau so, wie sie angegeben ist. Eine Durchschnittsrechnung und eine konkrete Einnahmeanweisung sind unterschiedliche Dinge.
Mehrere Präparate: Mengen nach Nährstoff zusammenstellen
Ein Multivitaminprodukt und ein Einzelpräparat können denselben Nährstoff enthalten. Um den Überblick zu behalten, hilft eine kleine Liste mit Produktname, angegebener Portion und Nährstoffmenge. Das gilt beispielsweise beim Vergleich von Multivitamin Premium Kapseln mit anderen Vitaminprodukten. Nutze dafür die jeweiligen aktuellen Produktangaben.
Ein unabhängiges Rechenbeispiel: Produkt A liefert bei der vorgesehenen Portion 40 mg Vitamin C, Produkt B 80 mg. Werden beide Portionen am selben Tag verwendet, ergibt das zusammen 120 mg Vitamin C aus diesen beiden Produkten. Bezogen auf den NRV sind das 150 Prozent. Die Zufuhr aus Lebensmitteln ist in dieser Rechnung noch nicht enthalten.
Die Rechnung sagt nur, wie viel zusammenkommt. Ob diese Kombination sinnvoll oder geeignet ist, beantwortet sie nicht. Addiere außerdem nicht die Prozentzahlen unterschiedlicher Nährstoffe: 50 Prozent Vitamin C plus 50 Prozent Zink ergeben keinen gemeinsamen „100-Prozent-Vitaminwert“.
Was NRV-Werte nicht aussagen
NRV ist kein persönlicher Bedarfstest. Eine Verpackung kennt weder deine Ernährung noch deine individuelle Situation. Ein niedriger Prozentwert beweist keinen Mangel; ein hoher Wert belegt keine bessere Wirkung.
NRV ist keine Sicherheitsobergrenze. Das BfR leitet gesonderte Höchstmengenvorschläge für Zusätze in Nahrungsergänzungsmitteln ab und berücksichtigt dabei unter anderem die weitere Nährstoffzufuhr. Du kannst diese Vorschläge nicht durch die pauschale Regel „bis 100 Prozent ist immer geeignet“ ersetzen. [3] Einen konkreten Zahlenvergleich findest du im Beitrag zu elementarem Magnesium und NRV.
NRV ist kein Qualitäts- oder Wirksamkeitssiegel. Die Zahl macht eine Mengenangabe vergleichbar. Sie belegt keine unabhängige Laborprüfung und keine besondere Wirkung des gesamten Produkts. Solche Aussagen müssten jeweils gesondert nachvollziehbar sein.
Häufige Fragen zu NRV-Werten
Bedeutet 100 Prozent NRV, dass ich an diesem Tag keine Lebensmittel mit dem Nährstoff mehr essen sollte?
Nein. Die Kennzeichnungsangabe ist keine Anweisung, Lebensmittel wegzulassen. Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung bleibt die Grundlage; Nahrungsergänzungsmittel dienen ihrer Ergänzung.
Kann ein Etikett mehr als 100 Prozent NRV ausweisen?
Rechnerisch ja: Eine Menge oberhalb des Referenzwerts ergibt mehr als 100 Prozent. Daraus folgt für sich allein weder eine Empfehlung noch eine Sicherheitsbewertung. Dafür sind der Nährstoff, die absolute Menge und die gesamte Anwendung entscheidend.
Wie vergleiche ich zwei Vitamin-B-Komplex-Produkte?
Vergleiche jeden enthaltenen Nährstoff einzeln und immer für dieselbe Bezugsgröße. Ein gemeinsamer Prozentwert für den gesamten Komplex wäre nicht aussagekräftig. Welche Vitamine dazugehören, erklärt unser Beitrag Die acht B-Vitamine erklärt.
Quellen und Stand
- [1] Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII: Nährstoffbezugswerte für Erwachsene.
- [2] Richtlinie 2002/46/EG, Artikel 8: Mengenangaben pro empfohlener Tagesportion.
- [3] BfR: Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe.
Redaktionsstand: 12. Oktober 2026. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung. Verzehrhinweise und Warnungen beachten, die angegebene Menge nicht überschreiten und außerhalb der Reichweite kleiner Kinder aufbewahren. Bei gesundheitlichen Fragen oder Medikamenteneinnahme ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.


